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Sound der neuen Schweiz – Naomi Lareine

Mittwoch, 26. Juni 2019

Von Luana Beerli

 

Fotografie: Luca Franzoni

In unserer Artikelreihe “Sound der neuen Schweiz” porträtieren wir Musikerinnen, die den Soundtrack zur neuen Schweiz liefern. Heute: RnB-Newcomerin Naomi Lareine. Luana Beerli hat sich mit Naomi über Authentizität, Intersektionalität und ihr musikalisches Schaffen unterhalten.

Du hast bis jetzt drei Singles und ein Feature veröffentlicht, alleine auf Spotify hast du schon über 200’000 Streams. Wie hast du die letzten paar Monate erlebt?
Wenn ich ganz ehrlich bin, ist es schon schwierig das alles wahrzunehmen. Alle meine drei Singles werden nicht nur von Schweizer Radios gespielt, sondern auch weltweit. Ich hätte nicht erwartet, dass die Schweiz mich und meine Musik so schätzen wird. Immerhin bin ich neu in der Branche und zusätzlich eine lesbische Frau. Ich singe zwar privat seit vielen Jahren aber dass meine ersten Singles so gut ankommen, hat mich überrascht.

Du wurdest von Medien schon mit RnB-Legenden wie Aaliyah verglichen. Was lösen solche Vergleiche in dir aus?
Mit einer grossen Legende wie Aaliyah vergleiche ich mich nicht gerne. Ich habe zu viel Respekt vor ihr und ihrer Musik. Aber wenn ich solche Vergleiche höre, baut sich schon ein gewisser Druck auf. Wenn die Medien in grossen Tönen von mir sprechen, will und muss ich auch abliefern. Andererseits mache ich mir keine allzu grossen Sorgen. Niemand macht etwas genau so wie ich, ich bleibe real und das macht mich authentisch und gefällt meinen ZuhörerInnen.

Was können wir von deiner Debut-EP erwarten? Bis jetzt haben wir deine soulige Stimme ja eher über elektronischen Beats gehört.
Die Grundrichtung wird sich nicht gross ändern aber «Get It» und «Issa Vibe» sind schon sehr elektronisch. Auf der EP wird es auch RnB und Soul zu hören geben, diese Genres haben in meinem Herzen einen besonderen Platz. Ich habe mich im Produktionsprozess der EP mehr mit meinen Gefühlen und Emotionen auseinandergesetzt. Deswegen gibt es ein paar eher ruhige und melancholische Songs auf der EP. Ein paar Tracks sind auch dem Pop zuzuordnen, sie sind eher leichtfüssig und laden zum Tanzen ein.

Wie verstehst Du Deine eigene Zugehörigkeit im Bezug auf Nationalität?
Die Schweiz ist meine Heimat und deswegen sehe ich mich definitiv als Schweizerin. Hier wurde ich geboren und hier bin ich aufgewachsen. Meine Mentalität entspricht aber nicht unbedingt der klassisch Schweizerischen, meine Denkweise habe ich von meiner Mutter. Viele Schweizer*innen sehen zum Beispiel die berufliche und finanzielle Sicherheit als Priorität. Sie treffen Entscheidungen meist erst nach längerer Überlegung und legen viel Geld zum Sparen auf die Seite. Bei mir ist eher das Gegenteil der Fall. Ich bin eine sehr emotionale und impulsive Person und unterdrücke meine Gefühle nicht. Wenn es sein muss, kann ich sehr laut werden, um meinen Standpunkt zu vertreten. Ich zeige aber meinem Umfeld auch sehr viel Liebe.

Du bist ja nicht nur in der Schweiz geboren und aufgewachsen, sondern hast für die Schweizer Frauenfussball Nationalmannschaft gespielt. Hast du in diesem Umfeld Erfahrungen mit Rassismus gemacht?
Nein, ich habe persönlich als Fussballerin keinen Rassismus erfahren und habe mich in der Nationalmannschaft nie unwohl oder diskriminiert gefühlt. Ich finde, im Sport liegt der Fokus auf der Leistung die erbracht wird. Es geht um die Liebe zum Fussball, und um den Teamgeist. Für mich hat Rassismus in der Fussballwelt keinen Platz.

Da gibt es sicher einige Leute, die dir widersprechen würden. Es wurden immer wieder Stimmen laut, dass die Schweizer Nationalmannschaft nur aus “Pässlischwizer” besteht.
Jede Person die in der Schweizer Nationalmannschaft spielt, hat einen Schweizer Pass. Wer die Schweizer Staatsbürgerschaft nicht besitzt, darf nicht für die Schweiz spielen. Ausserdem sind die meisten hier aufgewachsen und sprechen eine der Landessprachen. Ein ausländischer Nachname heisst noch lange nicht, dass man nicht Schweizerin ist. In der Nati spielen nur besten Fussballerinnen der Nation, auf ihre Wurzeln sollte es da meiner Meinung nach nicht ankommen.

Wie fremdenfeindlich schätzt Du Stimmung in der Schweiz ein?
An den Orten wo ich mich aufhalte, fühle ich mich eigentlich immer sehr akzeptiert. Ich kann mir gegenüber nicht wirklich eine Feindseligkeit feststellen. Aber im Allgemeinen sehe ich die Schweizer schon als eher abgrenzend und introvertiert. Jede/r lebt ein bisschen für sich und es wird nicht immer den anderen geholfen.

Du hast Wurzeln im Senegal und in Mauretanien. Gibt es musikalische Anknüpfungspunkte zu den Kulturen deiner Eltern?
Nein, ich fühle mich der afrikanischen Kultur allgemein nicht stark verbunden. Meine Mutter hat zwar Wurzeln im Senegal und in Mauretanien, wurde aber von einem französischen Paar adoptiert. In meiner Kindheit habe ich deshalb nicht viel afrikanische Musik gehört, sondern wurde von MusikerInnen wie Alicia Keys, Usher und Chris Brown inspiriert. RnB, Hip-Hop und Soul begleiten mich schon mein ganzes Leben lang.

Hast du dich mit der Musik und der Kultur der Ursprungsländer deiner Mutter auseinandergesetzt?
Wenn ich ehrlich bin, habe ich mich bis jetzt noch gar nicht mit senegalesischer oder mauretanischer Musik auseinandergesetzt. Erst kürzlich habe ich mich zwar etwas intensiver mit der Musik des nigerianischen Künstlers Santi befasst. Aber in meiner Musik gibt es aber bis jetzt keinerlei Bezüge zur afrikanischer Musik und Kultur.

Deine bisherigen Songtexte hast du auf Englisch geschrieben. Wie gefällt dir der Gedanke zum Beispiel auf Deutsch ein Lied aufzunehmen?
Was Musik angeht, bin ich sehr offen und bin bereit Verschiedenes auszuprobieren. Es muss einfach für mich passen und sich authentisch anfühlen. Ich kann es mir sehr gut vorstellen, einen Song oder ein Feature auf Deutsch aufzunehmen. Momentan liegt mein Fokus aber mehr auf dem Sprung ins Ausland. Klar möchte ich, dass meine Musik auch in der Schweiz auf Anklang stösst, aber ich will mich nicht nur auf den deutschen Sprachraum beschränken.

Wie geht die Öffentlichkeit mit deiner Intersektionalität um?
Meine Homosexualität und mein Aussehen wurden bis heute immer als positive Eigenschaften in der Öffentlichkeit präsentiert. In den Medien und in der Musikbranche wird zum Beispiel nur positiv über meine Sexualität gesprochen. Wahrscheinlich auch, weil ich offen darüber spreche. Bis jetzt habe ich noch keine bösartigen Kommentare gehört oder gelesen.

Auch nicht auf Social Media?
Nein, gar nicht. Das Interview, indem ich zum ersten Mal öffentlich über meine Sexualität gesprochen habe, habe ich selbst auf Instagram geteilt. Bevor ich es gepostet habe, war ich etwas nervös und gespannt auf die Reaktionen. Meine Follower haben mich aber sehr positiv überrascht. In meinem Postfach befanden sich viele Nachrichten von Mitgliedern der LGBTQ-Community. Leute die ich zuvor nicht kannte, haben mir die Geschichten ihrer eigenen Outings erzählt und mir Tipps gegeben, wie ich mit der Situation umgehen soll. Das gab mir Kraft. Leider erfuhr ich so auch von Menschen, deren Outings von ihrem Umfeld nicht gut aufgenommen wurden.

Wie hat dein persönliches Umfeld auf dein Outing reagiert?
Meine Familie reagierte mit sehr viel Verständnis. Mein Umfeld hat mich schon immer stark unterstützt und mir aber trotzdem meinen Freiraum gelassen.

Musstest du dich vor dir selbst auch outen?
Im Kindesalter war meine Sexualität für mich gar kein Thema. Wenn ich aber zurückblicke, hatte ich immer einen Crush auf meine Lehrerinnen. Als Kind dachte ich mir nicht viel dabei. Die Pubertät war eine verwirrende Zeit für mich. Obwohl ich mich Frauen angezogen fühlte, gefiel es mir auch, wenn mir Männer Komplimente machten. Im Nachhinein denke ich, dass ich vor allem die Aufmerksamkeit genossen habe. Aber um einordnen zu können, wie ich wirklich denke und fühle, musste ich zuerst einige Erfahrungen sammeln. Nach meiner ersten Erfahrung mit einer Frau war für mich klar, dass ich nur auf Frauen stehe. Zuvor wollte ich es mir selbst nicht ganz eingestehen, obwohl ich eigentlich die Wahrheit kannte. Ich konnte es nicht akzeptieren und sagte mir, dass ich nicht lesbisch, sondern bisexuell bin. Als ich mich aber endlich selbst akzeptierte, veränderte sich auch meine Musik schlagartig.

War dieses Einverständnis das Schlüsselerlebnis zu deinem heutigen Erfolg?
Auf jeden Fall! Auf Sweet Latina war ich zum ersten Mal mir und den Zuhörer*innen gegenüber ehrlich. Mit diesem Song konnte ich dann auch meine ersten Erfolge feiern und meine Karriere kam ins Rollen.

Wie sieht für dich eine neue Schweiz aus?
In einer neuen Schweiz sehe ich sicher die Legalisierung und Akzeptanz der Ehe für Homosexuelle. Aus der Sicht der Migrationspolitik soll eine neue Schweiz in meinen Augen Asylsuchende besser unterstützen. Die neue Schweiz soll für fremde Kulturen und Erfahrungen von Geflüchteten mehr Verständnis aufbringen, mehr helfen und mehr Akzeptanz zeigen.

 

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ÖFFENTLICHER APPELL: SOLIDARITÄT MIT DER REVOLUTION IM IRAN

Freitag, 4. November 2022

Von Institut Neue Schweiz INES

 

INES solidarisiert sich mit der Revolution im Iran und unterstützt die iranischstämmigen Protestierenden in der Schweiz. Wir verurteilen jede Form totalitärer Interpretation von Weltanschauung und Religion für Verletzungen von Menschenrechten. Eine Demokratie lebt davon, dass durch sie Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit in der Vielfalt gestärkt werden.

#DeepDiversity

Tour de Nouvelle Suisse – Mein Postmigrantisches Basel
22.Oktober 2022 14:00

 

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

Das Glossar #NeueSchweiz ist eine Sammlung von Konzepten, die uns helfen, gewisse gesellschaftliche Ereignisse rund um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz besser zu verstehen – fundiert, kritisch und vielstimmig. Es handelt sich dabei nicht um statische Begriffe, sondern um Ideen, die in stetiger Bewegung sind. Ausgangslage der Sammlung bilden die beiden Einträge #NeueSchweiz und #DeepDiversity. Die folgenden Monate kommen laufend weitere hinzu.

Die Last der Vergangenheit und ihre Lehren für die Gegenwart – eine juristische Sichtweise

Mittwoch, 28. September 2022

Von Liliane Denise Minder

 

Das Institut Neue Schweiz INES möchte dazu beitragen, Wege zu finden, wie wir mit vergangenem Unrecht sowie den Kämpfen dagegen umgehen. INES veranstaltet dazu am 22. Oktober in der Kaserne Basel in Zusammenarbeit mit dem Kollektiv «Schwarzenbach Komplex» einen Anlass und unterstützt tags darauf im Theater Neumarkt ein Podium zur Erinnerungskultur . Zudem veröffentlicht INES die Podcastgespräche «memleket – stimmen der neuen Schweiz». In diesem Blog schreibt die Juristin Liliane Denise Minder in einem persönlichen sowie wissenschaftlichen Beitrag über die Möglichkeit, Wiedergutmachung für vergangenes Unrecht juristisch einzufordern.

Diversity Unpacked – Kommentar zu einem schillernden Begriff

Mittwoch, 14. September 2022

Von Asmaa Dehbi, Vorstandsmitglied INES

 

Zum vierten Mal wurden in Bern verschiedene Akteur:innen und Projekte im Bereich Diversität und Inklusion ausgezeichnet. (Bild: Sandra Blaser)

Diversity ist das Wort der Stunde und scheint Garant für eine gerechte und plurale Gesellschaft zu sein. Mit dem Erhalt des Swiss Diversity Awards in der Kategorie «Religion» nimmt die Preisträgerin und INES-Vorstandsmitglied Asmaa Dehbi eine kurze Einordnung des Diversitätsbegriffs vor.

Integriert oder assimiliert?

Dienstag, 13. September 2022

Von Halil Güçük

 

Seit ihrer Entstehung ist die Menschheit nicht stehen geblieben, sondern ständig von Ort zu Ort gewandert. Diese Migration zog Erinnerungen, Kultur und Klagen mit sich. Genauso wie es nicht möglich ist, Migration in eine Form zu bringen, können wir Einwanderer:innen nicht auf bestimmte Regionen beschränken. Halil Güçük geht in seinem Blog-Beitrag der Frage nach, ob ein gut integrierter Mensch auch gleich ein assimilierter Menschen ist?

L’importanza dei suoni nell’universo della clandestinità

Montag, 8. August 2022

Von Erik Altorfer, illustrazioni: Nando von Arb

 

Negli anni ’60, i miei suoceri sono emigrati dall’Italia nella Svizzera tedesca; una grande povertà li ha costretti a fare questo passo. Quando la loro figlia Paola nacque a Zurigo, la polizia degli stranieri, come sempre in questi casi, contattò la famiglia: la bambina avrebbe dovuto lasciare il paese dopo tre mesi, il suo soggiorno era illegale. La madre ha dovuto portare il neonato da suo fratello in Italia, un lungo viaggio in treno, il ritorno, da sola, ricorda la madre, «è stato terribile».

Vor Gericht die Schweizer Migrationspolitik ändern? Eine Debatte über Möglichkeiten und Grenzen des Rechtswegs zur Erreichung politischer Fortschritte

Donnerstag, 19. Mai 2022

Von Fanny de Weck & Tarek Naguib

 

Fanny de Weck und Tarek Naguib diskutieren über die Möglichkeiten und Grenzen des Rechts im Kampf um ein Ausländer-, Asyl- und Bürgerrecht frei von Willkür und dafür mehr Gerechtigkeit. Dabei sind sie sich nicht immer einig, was mit einem Rechtsstreit vor Gericht erreicht werden kann und was nicht: wo seine Potenziale und wo seine Grenzen liegen? Letztlich geht es ihnen aber beiden darum, dass die Grund- und Menschenrechte von Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung auch umgesetzt werden - und dafür muss gekämpft werden.

Antirassismus in the Making. Ein Werkstattgespräch zu Allianzen, Identitätspolitik und Intersektionalität

Samstag, 23. April 2022

Von Rahel El-Maawi, Rohit Jain, Franziska Schutzbach, Tarek Naguib

 

Die Arbeit des Institut Neue Schweiz INES ist vom Wunsch geprägt, laufende Debatten zu Migration, Diversität und Antirassismus zu dokumentieren, verschiedene Ansätze in Austausch zu bringen und offene strategische Fragen zu diskutieren. Im folgenden Gespräch thematisieren Rahel El-Maawi, Franziska Schutzbach, Tarek Naguib und Rohit Jain Fragen rund um Identitätspolitik, Repräsentation und Intersektionalität und verbinden diese miteinander. Ein Blogbeitrag in zwei Teilen. Zum Teil 2 des Gesprächs zu Antirassismus in the Making.

#NeueSchweiz

Wer sterben gelassen wird: Strukturelle Differenzierungen in der Pandemie

Freitag, 25. Februar 2022

Von Tino Plümecke & Linda Supik

 

Der Anstieg der Todesfälle bei Menschen ohne Schweizer Pass ist mit 21,8 Prozent während des Pandemie-Jahres 2020 fast doppelt so hoch wie der von Menschen mit Schweizer Staatsangehörigkeit. Während die Sterberate bei Frauen mit Schweizer Staatsangehörigkeit in den untersuchten Altersgruppen 45- bis 64-Jährige und 65- bis 74-Jährige leicht abnahmen, stiegen die Sterberaten bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Dies ergibt eine Auswertung der statistischen Daten des Bundes durch unsere Gastautor*innen Tino Plümecke und Linda Supik.

Einblick in die Vernissagen zum HANDBUCH NEUE SCHWEIZ - mit Ausblick ins kommende Jahr

Donnerstag, 23. Dezember 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

In diesem letzten Blog-Beitrag im 2021 geben wir einen Einblick in die vier Vernissagen zum jüngst erschienenen HANDBUCH NEUE SCHWEIZ. Uns war es wichtig, Themen aufzugreifen, die das Institut Neue Schweiz INES auch im kommenden Jahr beschäftigen werden: ein neues Bürgerrecht, eine vielstimmige Bürger:innenschaft, diskriminierungsfreie Teilhabe und eine Schweiz, die für ihr globales Handeln Verantwortung übernimmt.

Handbuch #NeueSchweiz - für alle, die hier sind und noch kommen werden

Montag, 29. November 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

Das HANDBUCH NEUE SCHWEIZ (Diaphanes Verlag) ist ab sofort im Buchhandel erhältlich - voller Migration, Vielfalt und Mehrfachzugehörigkeit. Es schafft eine vielstimmige Plattform, die zum Nachdenken, zum Gespräch und zur Diskussion einladen möchte - und die vor allem Mut machen soll: solidarisch und selbstkritisch. Wer sich ein Bild machen möchte, kann hier die Einleitung lesen.

Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte

Freitag, 10. September 2021

Von Anisha Imhasly

 

Gruppenbild im Anschluss an die kulturpolitische Debatte, Gessnerallee Zürich, Juni 2021

An einem Samstagnachmittag anfangs Juni fanden sich rund fünfzig Menschen in der Gessnerallee Zürich ein, um auf Einladung von INES unter dem Titel „Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte“ zu erfahren, wie es um diese Vielfalt in der Kultur bestellt ist. Dies vor dem Hintergrund eines zentralen Anliegens seitens INES: Nämlich, dass sich die demografische Realität der Schweiz in seinen Institutionen – etwa in Politik und Verwaltung, Recht, Medien, Bildung und Kultur – viel stärker abbilden muss. Was hier folgt, ist eine subjektive Einordnung der Diskussionen bzw. einige weiterführende Gedanken zum Thema.

In der Schweiz Zuhause – ausgeschafft in ein fremdes Land

Sonntag, 30. Mai 2021

Von Institut Neue Schweiz und Demokratische Juristinnen und Juristen Zürich

 

Babak Fargahi, Rechtsanwalt

In der Schweiz können seit je her Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, ausgeschafft werden. Nur weil sie den Schweizer Pass nicht besitzen. Mit Annahme der Ausschaffungsinitiative und Verschärfungen im Bürgerrecht hat sich die Situation noch mehr verschlechtert. Rechtsanwalt Babak Fargahi, Filmhistorikerin Marcy Goldberg, Buket Bicer-Zimmermann, Schwester eines in die Türkei ausgeschafften Secondo, und Ständerat Paul Rechsteiner haben am 24. Mai 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kosmopolitics über diese Missstände gesprochen. Hier kann das Video angesehen werden.

ÖFFENTLICHER APPELL: WIRTSCHAFTLICHE NOT IN ZEITEN DER CORONA-KRISE DARF AUFENTHALTSSTATUS UND EINBÜRGERUNGEN NICHT GEFÄHRDEN – SEIEN WIR AUCH HIER SOLIDARISCH!

Freitag, 1. Mai 2020

Von INES Institut Neue Schweiz

 

Die Corona-Pandemie ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine soziale und wirtschaftliche Krise. Viele Menschen sind von Arbeitslosigkeit bedroht, werden auf Sozialhilfe angewiesen sein und müssen Schulden aufnehmen, auch in der Schweiz. Das hat massive finanzielle und soziale Auswirkungen, aber auch – was viele nicht wissen – rechtliche Folgen. Bei Entscheiden zum Aufenthaltsstatus und zur Einbürgerung spielt das Kriterium ›wirtschaftliche Integration‹ eine massgebliche Rolle. Die Corona-Pandemie ist auch deswegen für viele eine existenzielle Bedrohung. Dies betrifft potenziell ein Viertel der Wohnbevölkerung, die kein Schweizer Bürgerrecht haben, aber das Land tagtäglich mittragen und mitgestalten.

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

Vorschau: Eine Neue Schweiz!

Dienstag, 2. März 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

Die Neue Schweiz ist längst da – voller Migration, Vielfalt und Mehrfachzugehörigkeit! Sie muss nur sichtbar und erfahrbar gemacht werden. Das HANDBUCH NEUE SCHWEIZ, das voraussichtlich im Herbst 2021 erscheint, bietet eine Standortbestimmung zu laufenden postmigrantischen, rassismuskritischen und intersektionalen Debatten und Visionen und vereint visionäre Essays, biografische Stories und literarische Texte mit einer Vielfalt von künstlerischen Bildbeiträgen. Ein Glossar und Random Facts versammeln praktische Werkzeuge für alltägliche und fachliche Gespräche und Debatten.

ÖFFENTLICHER APPELL: SOLIDARITÄT MIT DER REVOLUTION IM IRAN

Freitag, 4. November 2022

Von Institut Neue Schweiz INES

 

INES solidarisiert sich mit der Revolution im Iran und unterstützt die iranischstämmigen Protestierenden in der Schweiz. Wir verurteilen jede Form totalitärer Interpretation von Weltanschauung und Religion für Verletzungen von Menschenrechten. Eine Demokratie lebt davon, dass durch sie Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit in der Vielfalt gestärkt werden.

Glossar
Glossar #NeueSchweiz

 

Das Glossar #NeueSchweiz ist eine Sammlung von Konzepten, die uns helfen, gewisse gesellschaftliche Ereignisse rund um Migration, Vielfalt und Rassismus in der Schweiz besser zu verstehen – fundiert, kritisch und vielstimmig. Es handelt sich dabei nicht um statische Begriffe, sondern um Ideen, die in stetiger Bewegung sind. Ausgangslage der Sammlung bilden die beiden Einträge #NeueSchweiz und #DeepDiversity. Die folgenden Monate kommen laufend weitere hinzu.

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Mittwoch, 14. September 2022

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Diversity ist das Wort der Stunde und scheint Garant für eine gerechte und plurale Gesellschaft zu sein. Mit dem Erhalt des Swiss Diversity Awards in der Kategorie «Religion» nimmt die Preisträgerin und INES-Vorstandsmitglied Asmaa Dehbi eine kurze Einordnung des Diversitätsbegriffs vor.

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Montag, 8. August 2022

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Negli anni ’60, i miei suoceri sono emigrati dall’Italia nella Svizzera tedesca; una grande povertà li ha costretti a fare questo passo. Quando la loro figlia Paola nacque a Zurigo, la polizia degli stranieri, come sempre in questi casi, contattò la famiglia: la bambina avrebbe dovuto lasciare il paese dopo tre mesi, il suo soggiorno era illegale. La madre ha dovuto portare il neonato da suo fratello in Italia, un lungo viaggio in treno, il ritorno, da sola, ricorda la madre, «è stato terribile».

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#NeueSchweiz

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Freitag, 10. September 2021

Von Anisha Imhasly

 

Gruppenbild im Anschluss an die kulturpolitische Debatte, Gessnerallee Zürich, Juni 2021

An einem Samstagnachmittag anfangs Juni fanden sich rund fünfzig Menschen in der Gessnerallee Zürich ein, um auf Einladung von INES unter dem Titel „Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte“ zu erfahren, wie es um diese Vielfalt in der Kultur bestellt ist. Dies vor dem Hintergrund eines zentralen Anliegens seitens INES: Nämlich, dass sich die demografische Realität der Schweiz in seinen Institutionen – etwa in Politik und Verwaltung, Recht, Medien, Bildung und Kultur – viel stärker abbilden muss. Was hier folgt, ist eine subjektive Einordnung der Diskussionen bzw. einige weiterführende Gedanken zum Thema.

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Vorschau: Eine Neue Schweiz!

Dienstag, 2. März 2021

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#DeepDiversity

Tour de Nouvelle Suisse – Mein Postmigrantisches Basel
22.Oktober 2022 14:00

 

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Mittwoch, 28. September 2022

Von Liliane Denise Minder

 

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Fanny de Weck und Tarek Naguib diskutieren über die Möglichkeiten und Grenzen des Rechts im Kampf um ein Ausländer-, Asyl- und Bürgerrecht frei von Willkür und dafür mehr Gerechtigkeit. Dabei sind sie sich nicht immer einig, was mit einem Rechtsstreit vor Gericht erreicht werden kann und was nicht: wo seine Potenziale und wo seine Grenzen liegen? Letztlich geht es ihnen aber beiden darum, dass die Grund- und Menschenrechte von Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung auch umgesetzt werden - und dafür muss gekämpft werden.

Wer sterben gelassen wird: Strukturelle Differenzierungen in der Pandemie

Freitag, 25. Februar 2022

Von Tino Plümecke & Linda Supik

 

Der Anstieg der Todesfälle bei Menschen ohne Schweizer Pass ist mit 21,8 Prozent während des Pandemie-Jahres 2020 fast doppelt so hoch wie der von Menschen mit Schweizer Staatsangehörigkeit. Während die Sterberate bei Frauen mit Schweizer Staatsangehörigkeit in den untersuchten Altersgruppen 45- bis 64-Jährige und 65- bis 74-Jährige leicht abnahmen, stiegen die Sterberaten bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Dies ergibt eine Auswertung der statistischen Daten des Bundes durch unsere Gastautor*innen Tino Plümecke und Linda Supik.

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Montag, 29. November 2021

Von Institut Neue Schweiz

 

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In der Schweiz Zuhause – ausgeschafft in ein fremdes Land

Sonntag, 30. Mai 2021

Von Institut Neue Schweiz und Demokratische Juristinnen und Juristen Zürich

 

Babak Fargahi, Rechtsanwalt

In der Schweiz können seit je her Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, ausgeschafft werden. Nur weil sie den Schweizer Pass nicht besitzen. Mit Annahme der Ausschaffungsinitiative und Verschärfungen im Bürgerrecht hat sich die Situation noch mehr verschlechtert. Rechtsanwalt Babak Fargahi, Filmhistorikerin Marcy Goldberg, Buket Bicer-Zimmermann, Schwester eines in die Türkei ausgeschafften Secondo, und Ständerat Paul Rechsteiner haben am 24. Mai 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kosmopolitics über diese Missstände gesprochen. Hier kann das Video angesehen werden.

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

Freitag, 6. März 2020

Von Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

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