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Warum mich Mani Matter mehr zum Schweizer gemacht hat als meine Einbürgerung

lundi, 15. avril 2019

De Uğur Gültekin

 

Dieser Artikel wurde im September 2016 über Noisey veröffentlicht. Er erscheint auf dem INES-Blog mit der freundlichen Genehmigung von Vice Schweiz.

Ich bin 1988 im Alter von vier Jahren mit meinen Eltern aus Nordkurdistan über die Mittelmeerroute in die Schweiz geflüchtet. Für mich sollte Mani Matter eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen meiner neuen Heimat und bei meiner Sozialisation spielen.

Meinen ersten Kontakt mit den Liedern Mani Matters hatte ich 1995 im Alter von 11 Jahren. Damals fand ich die Texte vor allem einfach witzig und unterhaltsam. Es machte mir Spass, sie im Musikunterricht auswendig zu lernen und mit der ganzen Klasse zu singen. Dass hinter der Story des Todes eines stadtbekannten Katers im Lied "Dr Ferdinand isch gstorbe" verschiedene Ebenen und Interpretationsmöglichkeiten stecken, sollte sich mir erst einige Jahre später erschliessen. Bis heute bin ich überrascht, wie Matter und seine Texte mich berühren, mich gedanklich anregen und mich, je nach meiner Entwicklungsstufe und meinem Wissensstand, immer wieder neu herausfordern und mir ungesehene Blickwinkel auf Thematiken ermöglichen. So entwickelte sich das fröhliche Festlied zum Abgang eines verstorbenen Katers, in das ich nichts weiter interpretierte, mit den Jahren zu einem Lobgesang auf alle Paradiesvögel, auf alle stadtbekannten bunten Hunde und Originale und deren alternativen Lebensentwürfe, die möglicherweise eher zum Scheitern prädestiniert sind. Mani Matters Lieder sind nicht einfach nur Produkte, die man konsumiert. Der Zuhörer und seine Reflexion machen die Lieder zu dem, was sie sind. Sie können nicht nur für jeden Einzelnen etwas anderes aussagen, nein, auch ein Einzelner kann einen einzigen Song Mani Matters auf verschiedene Arten interpretieren.

Mani Matter—"Dr Ferdinand"
"dr Ferdinand isch gschtorbä oje oje oje
dr Ferdinand isch gschrorbä es duät mer hüt nu we,
er wo so vill hät gworbä um liäbi im Quartier,
dr Ferdinand isch gschtorbä das armä Tier"

Ich bin 1988 im Alter von vier Jahren mit meinen Eltern aus Nordkurdistan über die Mittelmeerroute in die Schweiz geflüchtet. Für mich sollte Mani Matter eine entscheidende Rolle beim Kennenlernen meiner neuen Heimat und bei meiner Sozialisation spielen: Er brachte mir in der Primarschule mit "E Löl, e blöde sie, e glünggi un e sürmel" nicht nur lustige schweizerdeutsche Schimpfwörter bei, sondern weckte in mir​ mit seiner Verspieltheit in Liedern wie "Heidi", "S Lotti schilet" oder "Dialog im Strandbad" die Freude an den Eigenheiten der schweizerdeutschen Dialekte. Seine Lieder bauten definitiv auch eine Brücke zu meinen Schweizer Mitschülern und zu deren Kultur. Mani Matter vermittelte mir urschweizerische Werte wie Zurückhaltung auf "Hemmige" oder Pragmatik und Gelassenheit mit "Zündhölzli" und entfachte damit vielleicht auch einen kleinen Kampf der Kulturen in mir.

Mani Matter—"Schimpfwörter si Glückssach"
"e Löl, e blöde Siech, e Glünggi un e Sürmel
hei einisch zämme Krach gha, es risegrosses Gstrürm u
dr Glünggi het zum Löl gseit, är syg e blöde Siech
und dr isch sofort zum Sürmel, was ja o nid jede miech"

Wenn ich jemandem die Schweiz erklären dürfte, wenn ich dieser Person erzählen dürfte, wie wir hier denken, wie wir reden, fühlen und die Welt sehen: Ich würde ihr Mani Matters Lieder vorspielen. Sie sind ein Psychogram der Schweiz, ihrer Bewohner, ihrer Geschichte und den daraus resultierenden Gepflogenheiten. Dass die Lieder auch über 40 Jahren nach Matters Tod nicht an Relevanz und Aktualität eingebüsst haben, beweist, was für ein grosser Chansonier, Lyriker und Analytiker er war. Mani Matter ist auch heute noch relevant, was sich an seiner grossen Popularität innerhalb der Schweizer Bevölkerung messen lässt. Offenbar trifft er auch 40 Jahre nach seinem Tod den Nerv der Zeit, weil er in seinen Texten für die Grundvoraussetzungen von gesunden, demokratischen Debatten argumentierte: Er plädierte mit Liedern wie "Dr Alpeflug" fürs Zuhören und fürs Aufeinanderzugehen und forderte die Menschen mit Chansons wie "Ir Ysebahn" zum Perspektivenwechsel und zur Empathie auf. Obwohl ihm dabei das aktuelle Zeitgeschehen, allem voran wohl die Psychologie des Kalten Kriegs, und sein persönlicher Erfahrungsschatz aus seinem eigenen Leben als Inspirationsquelle dienten, können diese Plädoyers ganz einfach auch auf aktuelle Themen der heutigen Zeit angewandt werden.

Mani Matter—"Dr Alpeflug"
"Da rüef dä wo hinde sitzt: 'Lue ds Bänzin geit us, muesch lande'
'Wie? Was seisch', rüeft dr Pilot, 'los, i ha di nid verstande'
'Wie? Was hesch gseit', rüeft dä hinde, 'warum landisch nid sofort?'
'Red doch lüter', rüeft dä vorne, 'bi däm krach ghör i kes Wort'"

Was ich an Mani Matters Werk auch sehr bemerkenswert finde, ist, dass seine Kunst grosse Teile der Bevölkerung berührt, und sich sehr viele junge Menschen mit seinem Werk auseinandersetzen, aufrichtig identifizieren können und darum auch immer wieder Bezug darauf nehmen. Die Identifizierung mit lokaler Kultur, die sich in einer lokalen Sprache mit ebenso lokalen Themen und Inhalten beschäftigt, kann vor allem bei jungen Menschen eine wichtige Rolle bei der Bildung eines gesunden Gemeinschaftsgefühls spielen. In einer Zeit, in der traditionelle Schweizer Kultur vor allem vom rechten politischen Spektrum für sich vereinnahmt wird, in der Jodel, das Handörgeli und das Hackbrett als rechts, ländlich und konservativ kategorisiert werden, hat sich Mani Matters Werk zu einer neuen Ausprägung von Schweizer Folklore entwickelt, die auch Jungen, Urbanen und Zugezogenen Heimatgefühle vermittelt und Identität stiftet. Sein Werk verzichtet dabei gänzlich auf die Ideologisierung und Instrumentalisierung des Begriffs der Heimat und ist trotzdem gesellschaftspolitisch relevant, nimmt subtil, aber ganz bestimmt klare Positionen ein in der laufenden Wertedebatte und widerspiegelt dabei höchst präzis die Seele und den Rhythmus der Schweiz, sodass jeder "Swissness"-Marketingexperte blass wird vor Neid. Und: Mani Matter schliesst die Rechten, Ländlichen und Konservativen dennoch nicht aus.

Mani Matter—"Ir Ysebahn"
"ir Ysebahn sitze die einte eso
dass si alles was chunnt scho zum Vorus gseh cho
und dr Rügge zuechehre dr Richtigig vo wo… dr Zug chunt
die andere sitze im Bank vis-à-vis
dass si lang no chöi gseh wo dr Zug scho isch gsy
und dr Rügge zuechehre dr Richtig wohi… dr Zug fahrt"

Nicht nur wegen der Freude am Spiel mit der Mundartsprache und somit der Liebe zu einem wichtigen Teil der schweizerischen Eigenheit und Identität, mochte ich Mani Matter von Anfang an. Es war auch nicht alleine die Doppelbödigkeit seiner Texte oder seine Fähigkeit, die kompliziertesten Sachverhalte aufs Wesentlichste zu komprimieren, nein. Je älter ich wurde, desto stärker setzte ich mich mit den Inhalten hinter den Texten auseinander und mir wurde klar: Mir gefallen Mani Matters Positionen. Zumindest wie ich diese verstehe und interpretiere. Im Lied "Dene wos guet geyt" singt er unmissverständlich von Chancengleichheit und von Einkommens- und Vermögensverteilung. Er betont dabei die Wichtigkeit von sozialer Gerechtigkeit und dass es für das Erreichen genau dieser, Zugeständnisse seitens der oberen Schichten und der wirtschaftlichen Elite braucht, dass eine gerechtere Gesellschaft eine stabilere ist und dass das letztendlich allen Teilen der Gesellschaft zugutekommt.

Im Chanson "Dynamit" macht er sich nicht nur Gedanken über die Zerbrechlichkeit und Verwundbarkeit der Demokratie, sondern stellt gleichwohl die Fragen, wieviel hinter dem grossen Versprechen der Demokratie wirklich steckt und was eine offene und pluralistische Gesellschaft an Meinungen und Ansichten ertragen muss, soll und kann. "Usemene leere gygechaste" ist eine klare Positionierung gegen den Krieg, mit seiner ganzen Brutalität und seinem Vernichtungswahn. Das Lied spitzt die Aussage zu, dass die Kriege der Welt auf dem Rücken des kleinen Mannes ausgetragen werden und die unteren Schichten einer Gesellschaft die Leidtragenden dieser Auseinandersetzungen sind. "Dr Hansjakob & S Babettli" kann als Aufforderung an Medien und Gesellschaft verstanden werden, stets das Handeln der Obrigkeiten in Frage zu stellen, sich, wenn nötig, gegen diese aufzulehnen und gegen Ungerechtigkeiten zu protestieren. Alles Themen und Fragen, die auch heute noch hochaktuell sind und keineswegs an Brisanz verloren haben—im Gegenteil.

Mani Matter—"Dene wos guet geit"
"dene wos guet geit giengs besser
giengs dene besser wos weniger guet geit
was aber nid geit ohni dass's dene
weniger guet geit wos guet geit
drum geit weni für dass es dene
besser geit wos weniger guet geit
und drum geits o dene nid besser
wos guet geit"

Was bleibt, sind mehr als nur Mani Matters Lieder. Es bleiben seine Ansichten, sein Blick auf die Schweiz und die Welt und die daraus resultierende Haltung. Ich verstehe sein Werk unter anderem als ein Statement für eine durchlässige Gesellschaftsstruktur, eine demokratische Wirtschaftsordnung und eine humanistische Grundhaltung. Ich frage mich, wie Mani Matter die grossen Probleme unserer Zeit, wie die sogenannte Flüchtlingskrise, die Klimaerwärmung oder den aufstrebenden Populismus kommentiert und reflektiert hätte. Und habe eine konkrete Antwort darauf: Ich muss seine Lieder hören.

 

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ÖFFENTLICHER APPELL: SOLIDARITÄT MIT DER REVOLUTION IM IRAN

vendredi, 4. novembre 2022

De Institut Neue Schweiz INES

 

INES solidarisiert sich mit der Revolution im Iran und unterstützt die iranischstämmigen Protestierenden in der Schweiz. Wir verurteilen jede Form totalitärer Interpretation von Weltanschauung und Religion für Verletzungen von Menschenrechten. Eine Demokratie lebt davon, dass durch sie Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit in der Vielfalt gestärkt werden.

#NouvelleSuisse

Entre l'exotisme et la critique? La passé et l'avenir postcoloniale du spectacle du theâtre de Zürich
30.août 2018 21:00 – 22:00

 

Le spectacle de théâtre de Zurich a été une plate-forme pour le théâtre et l’art non-européens depuis le début des années 1980. Mais est-il qu’un simple spectacle superficiel en matière multiculturelle ou une consolation humanitaire aujourd'hui ? Quel est le potentiel et la responsabilité des échanges culturels mondiaux pour une décolonisation de la Suisse ? Pour répondre à ces questions un anthropologue social Rohit Jain s'entretiendra avec le directeur artistique du spectacle théâtral Matthias von Hartz - et tous-tes ceux-celles qui seront présents-tes. Entrée gratuite.

Glossaire
Glossaire #NouvelleSuisse

 

Le glossaire #NouvelleSuisse est un ensemble de concepts qui nous aident à mieux comprendre certains événements sociaux liés à la migration, à la diversité et au racisme en Suisse - de manière fondée, critique et polyphonique. Il ne s'agit pas de concepts statiques, mais d'idées en perpétuel mouvement. Les deux entrées #NouvelleSuisse et #DeepDiversity constituent le point de départ de la collection. D'autres viendront s'y ajouter au cours des mois suivants.

Diversity Unpacked – Kommentar zu einem schillernden Begriff

mercredi, 14. septembre 2022

De Asmaa Dehbi, Vorstandsmitglied INES

 

Zum vierten Mal wurden in Bern verschiedene Akteur:innen und Projekte im Bereich Diversität und Inklusion ausgezeichnet. (Bild: Sandra Blaser)

Diversity ist das Wort der Stunde und scheint Garant für eine gerechte und plurale Gesellschaft zu sein. Mit dem Erhalt des Swiss Diversity Awards in der Kategorie «Religion» nimmt die Preisträgerin und INES-Vorstandsmitglied Asmaa Dehbi eine kurze Einordnung des Diversitätsbegriffs vor.

Forum & Late Night Show #NOUVELLESUISSE
22.septembre 2018 10:00 – 23.septembre 03:30

 

Elle est là depuis longtemps...Une #NOUVELLESUISSE. Depuis plus d'un an, INES réunit une collection de voix, de visages, d'histoires, d'images et de réalités issues de l'immigration. Le 22 septembre 2018, INES vous invite à des interventions de politique culturelle, des conférences, des débats politiques, des spectacles, à un Late Night-show et à une fête…

L’importanza dei suoni nell’universo della clandestinità

lundi, 8. août 2022

De Erik Altorfer, illustrazioni: Nando von Arb

 

Negli anni ’60, i miei suoceri sono emigrati dall’Italia nella Svizzera tedesca; una grande povertà li ha costretti a fare questo passo. Quando la loro figlia Paola nacque a Zurigo, la polizia degli stranieri, come sempre in questi casi, contattò la famiglia: la bambina avrebbe dovuto lasciare il paese dopo tre mesi, il suo soggiorno era illegale. La madre ha dovuto portare il neonato da suo fratello in Italia, un lungo viaggio in treno, il ritorno, da sola, ricorda la madre, «è stato terribile».

Tour de Nouvelle Suisse – Mein Postmigrantisches Basel
22.octobre 2022 14:00

 

Vor Gericht die Schweizer Migrationspolitik ändern? Eine Debatte über Möglichkeiten und Grenzen des Rechtswegs zur Erreichung politischer Fortschritte

jeudi, 19. mai 2022

De Fanny de Weck & Tarek Naguib

 

Fanny de Weck und Tarek Naguib diskutieren über die Möglichkeiten und Grenzen des Rechts im Kampf um ein Ausländer-, Asyl- und Bürgerrecht frei von Willkür und dafür mehr Gerechtigkeit. Dabei sind sie sich nicht immer einig, was mit einem Rechtsstreit vor Gericht erreicht werden kann und was nicht: wo seine Potenziale und wo seine Grenzen liegen? Letztlich geht es ihnen aber beiden darum, dass die Grund- und Menschenrechte von Menschen mit Migrationsgeschichte und Rassismuserfahrung auch umgesetzt werden - und dafür muss gekämpft werden.

Antirassismus in the Making. Ein Werkstattgespräch zu Allianzen, Identitätspolitik und Intersektionalität

samedi, 23. avril 2022

De Rahel El-Maawi, Rohit Jain, Franziska Schutzbach, Tarek Naguib

 

Die Arbeit des Institut Neue Schweiz INES ist vom Wunsch geprägt, laufende Debatten zu Migration, Diversität und Antirassismus zu dokumentieren, verschiedene Ansätze in Austausch zu bringen und offene strategische Fragen zu diskutieren. Im folgenden Gespräch thematisieren Rahel El-Maawi, Franziska Schutzbach, Tarek Naguib und Rohit Jain Fragen rund um Identitätspolitik, Repräsentation und Intersektionalität und verbinden diese miteinander. Ein Blogbeitrag in zwei Teilen. Zum Teil 2 des Gesprächs zu Antirassismus in the Making.

#DeepDiversity

Wer sterben gelassen wird: Strukturelle Differenzierungen in der Pandemie

vendredi, 25. février 2022

De Tino Plümecke & Linda Supik

 

Der Anstieg der Todesfälle bei Menschen ohne Schweizer Pass ist mit 21,8 Prozent während des Pandemie-Jahres 2020 fast doppelt so hoch wie der von Menschen mit Schweizer Staatsangehörigkeit. Während die Sterberate bei Frauen mit Schweizer Staatsangehörigkeit in den untersuchten Altersgruppen 45- bis 64-Jährige und 65- bis 74-Jährige leicht abnahmen, stiegen die Sterberaten bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Dies ergibt eine Auswertung der statistischen Daten des Bundes durch unsere Gastautor*innen Tino Plümecke und Linda Supik.

Einblick in die Vernissagen zum HANDBUCH NEUE SCHWEIZ - mit Ausblick ins kommende Jahr

jeudi, 23. décembre 2021

De Institut Neue Schweiz

 

In diesem letzten Blog-Beitrag im 2021 geben wir einen Einblick in die vier Vernissagen zum jüngst erschienenen HANDBUCH NEUE SCHWEIZ. Uns war es wichtig, Themen aufzugreifen, die das Institut Neue Schweiz INES auch im kommenden Jahr beschäftigen werden: ein neues Bürgerrecht, eine vielstimmige Bürger:innenschaft, diskriminierungsfreie Teilhabe und eine Schweiz, die für ihr globales Handeln Verantwortung übernimmt.

Handbuch #NeueSchweiz - für alle, die hier sind und noch kommen werden

lundi, 29. novembre 2021

De Institut Neue Schweiz

 

Das HANDBUCH NEUE SCHWEIZ (Diaphanes Verlag) ist ab sofort im Buchhandel erhältlich - voller Migration, Vielfalt und Mehrfachzugehörigkeit. Es schafft eine vielstimmige Plattform, die zum Nachdenken, zum Gespräch und zur Diskussion einladen möchte - und die vor allem Mut machen soll: solidarisch und selbstkritisch. Wer sich ein Bild machen möchte, kann hier die Einleitung lesen.

Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte

vendredi, 10. septembre 2021

De Anisha Imhasly

 

Gruppenbild im Anschluss an die kulturpolitische Debatte, Gessnerallee Zürich, Juni 2021

An einem Samstagnachmittag anfangs Juni fanden sich rund fünfzig Menschen in der Gessnerallee Zürich ein, um auf Einladung von INES unter dem Titel „Demokratie und Vielfalt in der Kultur – eine kulturpolitische Debatte“ zu erfahren, wie es um diese Vielfalt in der Kultur bestellt ist. Dies vor dem Hintergrund eines zentralen Anliegens seitens INES: Nämlich, dass sich die demografische Realität der Schweiz in seinen Institutionen – etwa in Politik und Verwaltung, Recht, Medien, Bildung und Kultur – viel stärker abbilden muss. Was hier folgt, ist eine subjektive Einordnung der Diskussionen bzw. einige weiterführende Gedanken zum Thema.

In der Schweiz Zuhause – ausgeschafft in ein fremdes Land

dimanche, 30. mai 2021

De Institut Neue Schweiz und Demokratische Juristinnen und Juristen Zürich

 

Babak Fargahi, Rechtsanwalt

In der Schweiz können seit je her Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, ausgeschafft werden. Nur weil sie den Schweizer Pass nicht besitzen. Mit Annahme der Ausschaffungsinitiative und Verschärfungen im Bürgerrecht hat sich die Situation noch mehr verschlechtert. Rechtsanwalt Babak Fargahi, Filmhistorikerin Marcy Goldberg, Buket Bicer-Zimmermann, Schwester eines in die Türkei ausgeschafften Secondo, und Ständerat Paul Rechsteiner haben am 24. Mai 2021 im Rahmen der Veranstaltungsreihe Kosmopolitics über diese Missstände gesprochen. Hier kann das Video angesehen werden.

Pour toutes les personnes qui vivent ici et qui viendront

mardi, 23. juin 2020

De Institute Nouvelle Suisse

 

Depuis que George Floyd a perdu la vie à cause des violences policières racistes aux États-Unis, la solidarité autour du mouvement « Black Lives Matter » s'est aussi clairement manifestée en Suisse, dans les débats publics, dans la rue et dans les discussions personnelles. L'Institut Neue Schweiz (INES) se montre solidaire à ces manifestations et à la lutte contre le racisme anti-Noir.

LETTRE OUVERTE AU CONSÉIL FÉDÉRALE: LES DIFFICULTÉS ÉCONOMIQUES EN PÉRIODE DE CRISE SANITAIRE NE SAURAIENT METTRE EN DANGER NI LE STATUT DE RÉSIDENT NI LES NATURALISATIONS - SOYONS SOLIDAIRES!

vendredi, 1. mai 2020

De INES Institut Nouvelle Suisse

 

La pandémie due au coronavirus n'est pas seulement une crise sanitaire, mais aussi une crise sociale et économique. De nombreuses personnes sont menacées par le chômage, dépendront de l'aide sociale et devront s'endetter, y compris en Suisse. Cela aura des conséquences financières et sociales massives, mais aussi – ce que beaucoup ne savent pas – des conséquences juridiques. Le critère d'intégration économique joue un rôle décisif dans les décisions relatives au statut de résident et à la naturalisation. La pandémie actuelle est donc une menace existentielle pour de nombreuses personnes. Cela concerne potentiellement un quart de la population résidente qui n'a pas la nationalité suisse, mais qui paie ses impôts et contribue à façonner le pays au quotidien.

Tradition und Identität im Kontext postkolonialer Verstrickungen

vendredi, 6. mars 2020

De Halua Pinto de Magalhães

 

"Protestdemo" von FasnächtlerInnen - August 2018 (Quelle: Tageswoche, Hans-Jörg Walter)

Aufgrund des Corona-Virus wurde dieses Jahr unter anderem die Basler Fasnacht abgesagt. Die Kritik der antirassistischen Bewegung an der Fasnacht bleibt. Es stellt sich insbesondere immer noch die Frage, weshalb diese sogenannten Traditionen sowohl bei ihren Kritikern, als auch bei eingeschworenen FasnächtlerInnen so viele Emotionen auslösen. Halua Pinto de Magalhães sucht auf dem INES Blog „Stimmen der Neuen Schweiz“ nach antworten.

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De Institut Neue Schweiz INES

 

INES solidarisiert sich mit der Revolution im Iran und unterstützt die iranischstämmigen Protestierenden in der Schweiz. Wir verurteilen jede Form totalitärer Interpretation von Weltanschauung und Religion für Verletzungen von Menschenrechten. Eine Demokratie lebt davon, dass durch sie Selbstbestimmung, Freiheit und Gleichheit in der Vielfalt gestärkt werden.

Glossaire
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Le glossaire #NouvelleSuisse est un ensemble de concepts qui nous aident à mieux comprendre certains événements sociaux liés à la migration, à la diversité et au racisme en Suisse - de manière fondée, critique et polyphonique. Il ne s'agit pas de concepts statiques, mais d'idées en perpétuel mouvement. Les deux entrées #NouvelleSuisse et #DeepDiversity constituent le point de départ de la collection. D'autres viendront s'y ajouter au cours des mois suivants.

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Depuis que George Floyd a perdu la vie à cause des violences policières racistes aux États-Unis, la solidarité autour du mouvement « Black Lives Matter » s'est aussi clairement manifestée en Suisse, dans les débats publics, dans la rue et dans les discussions personnelles. L'Institut Neue Schweiz (INES) se montre solidaire à ces manifestations et à la lutte contre le racisme anti-Noir.

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#NouvelleSuisse

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30.août 2018 21:00 – 22:00

 

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vendredi, 25. février 2022

De Tino Plümecke & Linda Supik

 

Der Anstieg der Todesfälle bei Menschen ohne Schweizer Pass ist mit 21,8 Prozent während des Pandemie-Jahres 2020 fast doppelt so hoch wie der von Menschen mit Schweizer Staatsangehörigkeit. Während die Sterberate bei Frauen mit Schweizer Staatsangehörigkeit in den untersuchten Altersgruppen 45- bis 64-Jährige und 65- bis 74-Jährige leicht abnahmen, stiegen die Sterberaten bei Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit im Vergleich zum Vorjahr deutlich an. Dies ergibt eine Auswertung der statistischen Daten des Bundes durch unsere Gastautor*innen Tino Plümecke und Linda Supik.

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lundi, 29. novembre 2021

De Institut Neue Schweiz

 

Das HANDBUCH NEUE SCHWEIZ (Diaphanes Verlag) ist ab sofort im Buchhandel erhältlich - voller Migration, Vielfalt und Mehrfachzugehörigkeit. Es schafft eine vielstimmige Plattform, die zum Nachdenken, zum Gespräch und zur Diskussion einladen möchte - und die vor allem Mut machen soll: solidarisch und selbstkritisch. Wer sich ein Bild machen möchte, kann hier die Einleitung lesen.

In der Schweiz Zuhause – ausgeschafft in ein fremdes Land

dimanche, 30. mai 2021

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Babak Fargahi, Rechtsanwalt

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INES